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Geschichte von Sankt Anna – Sankt Raphael

 

Unsere Gemeinde ist am 1. Januar 2003 durch den Zusammenschluss der beiden bis dahin selbständigen Pfarreien Sankt Anna und Sankt Raphael entstanden. Pfarrkirche wurde Sankt Anna in Frankfurt-Hausen, Filialkirche Sankt Raphael im Industriehof. Unsere Gemeinde ist somit nur etwas mehr als ein Jahrzehnt alt. Die Vorgängerpfarreien haben allerdings eine wesentlich längere Geschichte.


Erstmals urkundlich erwähnt wird 1479 eine Kapelle in Hausen, als Papst Sixtus IV. diese Kapelle zusammen mit der Pfarrkirche in Bonames dem Marienstift in Lich überträgt. Kurz darauf bestätigt 1495 der Propst des Mauritiusstifts in Mainz, dass das Marienstift in Lich für die Pfarrkirche in Bonames und die Kapelle in Hausen eine Jahresabgabe von 9 Mark Silber an die Apostolische Kammer gezahlt hat.

 

1533 wird in der Stadt Frankfurt und seinen Landgemeinden die lutherische Lehre eingeführt. Ein Jahr später wird die Hausener Kapelle vom Marienstift Lich an den Grafen von Solms übertragen.

 

1536 gibt es die erste Abbildung der Kapelle, der „Sankt-Jost-Kapelle“, auf dem Siegel des Ortsgerichts Hausen.

 

Hausen war zu diesem Zeitpunkt bereits mindestens 400 Jahre alt, denn 1132 wird erstmals „husun“ in einer Urkunde erwähnt, als der Erzbischof von Mainz Grundbesitz in Praunheim  zusammen mit dem Recht der Bestellung des dortigen Pfarrers sowie den Zehntrechten in Ursel, Heddernheim und Hausen erwirbt. 1428 kaufte dann die Stadt Frankfurt das Dorf Hausen.

 

Die Sankt-Jost-Kapelle scheint wohl baufällig geworden zu sein, so dass die Bewohner von Hausen zum Gottesdienstbesuch nach Praunheim gehen mussten. Da dies besonders im Winter zu gefährlich wurde (die Kirchgänger mussten manchmal vor den Wölfen auf die Bäume an der Nidda flüchten) und auch die Einwohnerzahl von Hausen anstieg, wurde 1772 Hausen eine eigenständige evangelische Pfarrei mit einem Pfarrer. Die Katholiken mussten nach Rödelheim gehen, wo ab 1801 erstmals katholische Gottesdienste stattfanden.

 

Im 19. Jahrhundert stieg die Zahl der Katholiken in Hausen durch die Zuwanderung von Erntehelfern und Arbeitern aus den katholischen Gebieten des Westerwalds, der Rhön und Süddeutschlands deutlich an. 1858 hatte Hausen 605 Einwohner, wovon 86 katholisch waren. Der Anteil der Katholiken nahm weiter zu, so dass 1901 Hausen eine katholische Seelsorgestelle mit einem eigenen Geistlichen erhielt.

 

Der erste katholische Gottesdienst in Hausen seit der Reformationszeit fand am 1. Adventssonntag 1901 in einem Raum der neu erbauten Evangelischen Volksschule, der heutigen Kerschensteiner Schule, statt. Bemerkenswert ist, dass hier die evangelische Hausener Gemeinde in der Evangelischen Schule unentgeltlich einen Raum für die katholischen Gottesdienste zur Verfügung stellte, was keineswegs selbstverständlich in der damaligen Zeit war.

 

Schon zwei Jahre später wurde an der Großen Nelkenstraße, wo heute das Haus Thomas steht, eine katholische Kirche gebaut*, die am 11. September 1904 eingeweiht wurde. Es handelte sich eigentlich um ein großes Querschiff, an das später einmal ein hohes dreischiffiges Langhaus mit einem weiteren Querschiff und Turm sowie eine Apsis angebaut werden sollte. Hierzu ist es allerdings nie gekommen, denn der 1. Weltkrieg und die Inflation verhinderten den weiteren Ausbau.

 

1912 erhielt Sankt Anna den Status einer Kapellengemeinde mit einem Pfarrvikar, 1932 wurde ein Jugendheim neben die Kirche gebaut und 1933 – 1935 erfolgte eine Renovierung der Kirche mit einem erhöhten Chorraum und einer Ausmalung durch die Künstlerin Else Bircks*.

 

Im 2. Weltkrieg wurde die Kirche am 29.1.1944 schwer beschädigt; am 22. März 1944, als die Altstadt von Frankfurt durch die Bombardierung unterging, brannte die Kirche völlig aus.

 

Nach dem Krieg wurde die Kirche unter dem rührigen Pfarrvikar und späteren Pfarrer Andreas Nikolai, der von 1935 bis 1973 in Hausen wirkte, wieder aufgebaut*. Die Mauern waren niedriger, der Chor war weiträumiger und der Altarraum angehoben und besser einsehbar. Als erste Kirche, die in Frankfurt wieder aufgebaut war, wurde sie am 28. Juli 1946 neu eingeweiht. Schon zwei Jahre später, am 11. April 1948, wurde die Kirche mit vier neuen Glocken ausgestattet.

 

Im Laufe der Jahre, als immer mehr Bewohner nach Hausen zogen, wurde die Kirche zu klein. Außerdem wirkte sie zu provisorisch, so dass beschlossen wurde, eine neue Kirche näher zum Ortskern zu bauen.

 

In dieser neuen Sankt-Anna-Kirche*, der heutigen Pfarrkirche am Hohen Weg, die in Form eines polygonalen griechischen Kreuzes wie ein Zelt mit einem frei stehenden Glockenturm gebaut wurde, wurde bereits am 25. März 1967 der erste Gottesdienst gefeiert. Am 11. Mai 1968 weihte Bischof Dr. Kempf die neue Kirche ein.

 

Die alte Kirche an der Großen Nelkenstraße wurde abgerissen.

 

1979 und 1981 wurde die Kirche mit einer Pietà* und dem Hochrelief einer Anna Selbdritt*, jeweils von der Hausener Künstlerin Franziska Lenz-Gerharz entworfen, ausgestattet. 1985 wurde eine Orgel eingebaut.

 

1990 wurde der Sichtbeton der Fassade mit Natursteinen verkleidet*, 1996 der Altarraum neu gestaltet, indem der Altar aus der Mitte der Kirche wieder näher zur Rückwand verlagert wurde. 1999 wurde schließlich die heutige Altarrückwand als Triptychon mit Goldblattauflage im Zentrum und indigoblauen Seitenflügeln durch den Kölner Künstler Wilhelm Gies geschaffen*. Davor stand mehr als ein Jahrzehnt lang ein Triumphkreuz mit einer frühchristlichen Glasschmelzarbeit*. Heute steht hier ein Holzkreuz mit dem Corpus des leidenden Jesus.

 

Zur Ausstattung gehört auch ein Kreuzweg* aus der alten Sankt-Anna-Kirche, in der er 1952 geweiht wurde. Er besteht aus 14 kolorierten Holzstichen von Ruth Schaumann, einer Künstlerin, die u. a. auch die Pietà in der Krypta der Frauenfriedenskirche in Bockenheim gestaltet hat.

 

Zur Weihnachtszeit hat die Kirche eine Besonderheit aufzuweisen, die in Frankfurt und darüber hinaus wohl singulär sein dürfte: Es handelt sich um die Weihnachtskrippe*, die im Kriegsjahr 1942 von 16jährigen Hausener Jungen und Mädchen zusammen mit Pfarrer Nikolai angefertigt wurde. Die aus Ton geformten Figuren und insbesondere deren Köpfe sind sehr ausdrucksstark*. Die Gesichter der Figuren sind schmal, ausgemergelt und haben scharfe Konturen. Sie vermitteln eine bedrückende Stille und Erschöpfung, keine Euphorie und keinen Jubel einer fröhlichen Weihnachtszeit. Die Menschen der Kriegszeit haben bei dieser Krippe Trost gefunden, die Krippe machte ihnen Mut bei aller Not und Verzweiflung. Die Figuren zeigen uns ein tiefes Gottvertrauen in der damaligen schrecklichen Zeit. Zwei Jahre nach ihrer Entstehung war die alte Sankt-Anna-Kirche vollständig zerstört, aber die Weihnachtskrippe überlebte wie durch ein Wunder den Bombenhagel.

 

1952 erhielt Sankt Anna den Status einer Pfarrei. Das Gemeindegebiet umfasste Hausen und den Industriehof, wobei die Nachbargemeinden St. Elisabeth in Bockenheim und St. Antonius in Rödelheim Teile ihres Pfarrgebiets an die neue Pfarrei abgaben. Schon ein Jahr später wurde am Industriehof die Seelsorgestelle „Sankt Raphael“ der Pfarrei Sankt Anna gegründet. Gleichzeitig wurden dort ein Pfarrsaal mit anschließendem Altarraum und ein Kindergarten errichtet (Siehe auch Geschichte von St. Raphael).

 

1964 wurde Sankt Raphael eine Pfarrvikarie mit eigenem Seelsorger, 1975 wurde Sankt Raphael Pfarrei. Allerdings gab es schon seit 1973 keinen eigenen Seelsorger mehr, so dass der Pfarrer von Sankt Anna auch gleichzeitig Pfarrer von Sankt Raphael war.

 

Die Gemeinde Sankt Raphael war dadurch entstanden, dass nach dem Krieg Vertriebene aus Pommern, Ostpreußen und dem Sudetenland auf dem Gebiet der ehemaligen Flakkaserne im Industriehof angesiedelt wurden. Die Zahl der Katholiken stieg so im Industriehof bis 1964, als Sankt Raphael selbständig wurde, auf rd. 1.300, während im Gebiet von Sankt Anna rd. 1.400 Katholiken ansässig waren. Die bis 1979 auf 2.800 angewachsene Zahl der Gemeindemitglieder führte dazu, dass in diesem Jahr in Sankt Raphael ein neues großes Gemeindezentrum mit Kindergarten und neu gestalteter Kirche eingeweiht werden konnte.

 

Die Zahl der Gemeindemitglieder ging aber ab den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts deutlich zurück, so dass sich die Gemeinde Sankt Raphael mit Sankt Anna zum 1. 1. 2003 zur neuen Pfarrei Sankt Anna – Sankt Raphael zusammenschloss.

 

Dr. Franz Giesel

* siehe Foto in der Fotogalerie - zum Vergrößern bitte anklicken!

 

Fotogalerie:

 

St. Anna-Kirche, Große Nelkenstraße

 

 

 

 

 


 

 

 

 

Ausmalung

 

 

 

 

 

 



 

 

 

Neuaufbau







 

 

 

 

Innenansicht













 

 

 


 

 

 

 

Neubau am Hohen Weg





 

 

 

 

 

 

 

Pietá









 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Anna Selbdritt



















 

 

neue Fassade


 

 

 

 


 

 

 

 

 

 

Innenansicht - Altarraum












Triumphkreuz mit Glasschmelzarbeit








 

 

 

 

 

Kreuzweg










 









Krippe







 

 

 

 

 

Heilige Familie











  

 

 

 

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